Katzenjammer

Was ist der Mensch nur für ein putziges Wesen?

Was bin ich nur für ein seltsames Wesen?

JakobswegMonate lang freue ich mich auf den Jakobsweg, den ich mit meiner Freundin und einem Rollstuhlfahrrad, genannt „Rollfiets“ gepilgert bin. Und dann? Dann ist man auf einmal wieder zu Hause! Es ist vorbei, der Weg bezwungen, die Eindrücke noch nicht ganz verarbeitet da findet man sich schon im Alltag wieder.

Und, es kommt der große Katzenjammer!

 

Alles war so groß, so wunderbar, so einzigartig andersartig, so reduziert und doch so viel mehr.

Ist es eigentlich immer richtig sich Träume zu verwirklichen?

Mein Lebenstraum hat sich erfüllt, eine Begierde wurde gestillt, aber es wurde etwas viel größeres geweckt. Unglaubliche Lust auf Freiheit und auf Abenteuer. Ich möchte die Welt sehen, Menschen kennenlernen, Kulturen erleben. Ich möchte mich reduzieren auf das Wesentliche und genau dies ist in meinem Alltag, in meinen selbst gemachten Gedankenkarussell so gar nicht möglich!

Und nun schmerzen vor allem die Erinnerungen an die simplen und klaren Gefühle auf dem Weg. Erinnerungen an dieses unkomplizierte Leben. Ja, Leben, das war Leben! Obwohl so minimalistisch im Gepäck war es doch so viel größer als dieses hier. Vielleicht macht Überfluss uns stumpf und traurig. Vielleicht macht der Fortschritt dass wir uns zurückziehen, vielleicht macht das Gedränge nach Vorne dass wir fallen?

Jetzt… sollte ich so unendlich glücklich sein und doch bin ich es nicht. Statt dessen brauche ich so unendlich viel Kraft um zu unterdrücken was hinaus will. Ich möchte schreien: „Das ist das Leben. Das ist es was wir alle brauchen. Merkst du es denn nicht, du dummer, einfältiger Mensch? Zerstören, zerstören, überhören… “

Ich wünschte ich bräuchte nur einen Schluck Coca Cola trinken und „das Leben wäre wie es sein sollte“

Manchmal ist es fast so weit und es bricht heraus. So große Traurigkeit. Rastlosigkeit und Lust die wie ein riesiger Eiterpickel pulsiert und schmerzt, tief in mir drin.

Was ist nur los mit mir?

Ich bin nicht mehr fähig wegzuschauen oder zu überhören. Ich bin dünnhäutig, viel dünnhäutiger als eh schon und trotzdem bin ich auf irgendeine Weise gelassener. Manchmal gelingt es mir jetzt abzuwarten und darauf zu vertrauen dass es kommt wie ich es brauche. Es gelingt mir einen Fuß zum bremsen aus dem Karussell zu strecken, wie damals als Kind auf dem Spielplatz. Ich kann etwas abbremsen und das ist doch schon eine Entwicklung!

Ich stelle in Frage! Mich, meine Welt, meine Gedanken, meine Ziele… war doch das Ziel einmal in meinem Leben so klar, so ohne wenn und aber, ohne Zweifel, ohne Mutlosigkeit.

Ich bin verwirrt! Geht es anderen Menschen auch so? Brauche ich ein neues Ziel, einen neuen Traum? Was wenn es danach nicht besser wird?

Wo ist diese Gelassenheit von der alle berichten die den Weg gepilgert sind? Bei mir ist sie nicht. Ich bin rastlos, streife wie ein Raubtier in mir selbst, in meinem Käfig, herum. Ich spürte die Kraft, ich möchte jagen doch mein Körper begrenzt mich wie ein Tier das im Käfig sitzt.

Es ist ein Zirkus, ja ein Zirkus… mein Kunststück ist es mir selbst einzureden dass jetzt alles besser sein sollte als vor dem Weg… jetzt breche ich aus und auch wenn ich euch enttäusche: „Sorry, aber ich habe meinen Instinkt wieder entdeckt! Ich möchte tanzen und rennen, schreien und singen… leben… leben… leben… verstehst Du? Ich möchte nicht mehr mit Kompromissen leben, paralysiert -körperlich und geistig. Ich möchte dich schütteln und dich fragen ob du wirklich lebst? Lebst du? Können wir Menschen überhaupt noch leben oder haben wir es verlernt?

Dieser eingeschränkte Körper stört mehr als jemals zuvor…

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8 comments

  1. Asena says:

    Liebe Sabine, ich kann dich gut verstehen . Aber dennoch ist es ein großes Glück, dass du dieses Abenteuer erleben durftest und in deinem Herzen tragen kannst. Vielleicht braucht es noch ein bisschen Zeit bis die “ Wirkung “ einsetzt . Diese vielen Eindrücke müssen sich erst mal setzen. Niemand kann wirklich nachvollziehen, wie es in dir aussieht . Ich kann dir nur meine Bewunderung für deinen Mut,- diesen Weg zu gehen aussprechen. Ich kenne dich nicht persönlich, aber du wirkst auf mich aus der Ferne sehr positv, du gehst einfach immer weiter :) ein großes Wow ! Ich denke, du gibst vielen Menschen Mut,- den Gesunden, wie den Kranken. Mich hast du sehr berührt mit deiner Offenheit. Ich wünsche dir alles Liebe ,- mach weiter so, ein <3 licher virtueller Knuddeler :) Asena

  2. Ute says:

    Liebe Sabine,
    ich bewundere dich sehr! Wie du dein Leben meisterst. Wie du vielen Menschen Hoffnung gibst. Weil du einfach so bist wie du bist. Du bist ein Vorbild. Du bist mein Vorbild!
    Ich mag dich total. Mach weiter so. Ich sende dir ganz viel Kraft.
    Ute

  3. Huber Eva-Maria says:

    Liebe Sabine,
    es ist nie falsch Träume zu haben egal in welcher Lebenssituation man steckt und ich finde gerade in Ihrem Fall sind Wünsche wie zu Beispiel die Welt zu erobern einfach toll, zeigt es doch dass Sie sich nicht aufgeben dass Sie, auch wenn es schwierige Tage gibt einfach Freude amLeben haben. Ich fand schon die Sache mit dem Jakobs Weg einfach nur cool und Mutig. Ich wünsche mir für Sie dass Sie Ihre Träume nie aufgeben und das das eine oder andere sich doch noch verwirklichen lässt.
    Lg. Eva-Maria Huber

  4. Thorsten Hesse says:

    Liebe „Bine“ – ohne Plan funktioniert das Leben nunmal leider nicht – schmiede Pläne – jeden Tag! Nimm Dir einzelne Pläne und verbessere sie, mach sie DIR gängig – und lebe……lebe SO, wie Du es magst – lass Dich nicht beirren…..höre NICHT auf die Besserwisser, sie haben eh meistens KEINEN Plan – und wenn, ist er planlos! Du weißt genau, was das Leben bedeutet……und nun schaff Dir Nischen – mit Plan :-) Du bist so stark und tapfer – dünnhäutig ist immer erlaubt, solange Du den Panzer aus Familie und Freunden um Dich hast. Jeder Tag ein Tag zum leben…..also mach…..und wenn es „heute“ nicht geht (rollt) dann eben morgen! Jeder Tag hat seinen Plan und Du bist der Schöpfer dieser Pläne…….Bine….folge mir im Traum……und wir fahren zusammen mit unseren Lieben am Ostseestrand…..das Wasser umspült unsere Füsse….der Popo wird nass….na und? Uns doch egal…… L E B E N ! Eben…..! :-) Ich umarme Dich virtuell und im Traume……und wehe, Du besuchst mich nicht in 2017 – wehe nicht! Schau – schon wieder ein Plan….. :-) Astrid & der rollende Wikinger grüßen Dich und Deine Familie

  5. Kristine says:

    Liebe Sabine, du bist (wie ich finde) wie immer auf dem richtigen Weg! Was wäre ein Leben ohne Wünsche und Ziele? Der Mensch kann ohne Wünsche und Ziele nicht leben. ICH kann ohne Wünsche und Ziele nicht leben! Wünsche und Ziele sind etwas was uns vorantreibt, etwas was uns hilft den nächsten Tag zu (er)leben. Wünsche und Ziele machen den Sinn aus weiterzumachen! Also Sabine: mach weiter! Erfülle dir so viele Wünsche wir nur irgend möglich und erreiche deine Ziele!!!

  6. Nicole says:

    Liebe Sabine,

    das, was du geschrieben hast, hat mich unendlich berührt und ich bin da sehr bei dir. Ich denke tatsächlich, dass der Mensch es ein Stück weit verlernt hat, zu l e b e n. Im Leben steckt erleben, lebendig sein, leben eben. In unserer Welt gilt leider viel mehr das Haben, der Materialismus, der Mensch hat sich selbst und auch alle anderen (z.B. die Tiere) zum Objekt gemacht. Wir müssen wieder lernen, uns alle als Subjekt in Wechselwirkung zu erkennen. Wir gehören alle irgendwie zusammen und dein Leid ist auch mein Leid. Ich wünsche mir, dass die Menschen alle wieder dünnhäutiger werden, damit sie bewusster leben und ihnen bewusst wird, was sie sich selber und den Tieren, unserem Planeten antun. Dir wünsche ich viel Kraft für viele wunderbare Erfahrungen. Ich liebe es, wie du schreibst und bewundere deinen Tatendrang und Mut.

    In Liebe
    Nicole

    • Karin Neumann says:

      Ach Sabine, leider ist das so. Meine Tochter fliegt bald für 5 Wochen Urlaub nach Amerika. Da dachte ich nur: Ich komme nirgendswo mehr hin. Der Nachbar ist diese Nacht nach Krk , ich sitze zuhause. Manchmal frage ich mich, ob mich neidisch bin oder eifersüchtig. Aber nein, ich hatte das auch alles schon. Nein, ich fühle mich eingesperrt in meinem Körper. Meine Welt ist einfach klein geworden. Ob ich mich je daran gewöhne? Weiß ich nicht. Aber was ich weiß, dass du und ich sehr starke Menschen sind. Also liebe Sabine, morgen ist ein neuer Tag und da kommt was anderes. Ich drücke dich, deine Karin

    • jana w. says:

      Liebe Sabine,
      du bist eine starke Frau die ich sehr bewundere….ich denke auch man braucht immer neue Ziele um im Leben weiter Kraft zu sammeln…habe selbst auch eine neurologische Erkrankung die mir viel Kraft entzieht aber es gibt wie bei dir auch viele Energiequellen die ein immer positiv nach vorn blicken lassen…lg Jana aus Berlin

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